Die HEX Gallery ist ein Kulturraum in Brno, der zweitgrößten Stadt Tschechiens, der sechs Formen künstlerischer Tätigkeit unter einem Dach vereint. Wir haben mit Jakub Straňák und dem Kurator Jiří Riessler Zuzaník darüber gesprochen, was es heute braucht, um eine unabhängige Galerie aufzubauen — und warum das schwieriger ist, als es scheinen mag.
Die HEX Gallery wurde im Mai 2025 feierlich eröffnet. Wie und warum entstand das Konzept eines multidisziplinären Kulturraums ausgerechnet in Brno — und warum in der Lidická-Straße?
Jakub: Durch Zufall! Ein Verwandter von mir gab gerade einen Raum nach seinem vorherigen Geschäft auf und bot ihn mir an — daher die Lidická. Außerdem ist mir das künstlerische Umfeld seit der Oberschule vertraut, wenn auch eher auf der literarischen Seite. Jiří und ich hatten auch interessante Kontakte in Verlagen, unter bildenden Künstlern und Musikern, sodass es uns natürlich erschien, sie zusammenzubringen und der Kunstöffentlichkeit einen Ort zu bieten, an dem sie sich richtig austoben kann.
Jiří: Außerdem liegt der Lužánky-Park gleich um die Ecke, und wir fanden die Vorstellung einer Open-Air-Performance unter Bäumen und Sternen wunderbar. Aber das planen wir erst noch — wenn es draußen wärmer wird, möchte ich das Publikum zu einem Konzert nach draußen führen und dann zurück zur Ausstellung, unter den Bäumen entlang. Die Lidická ist dafür aus meiner Sicht ideal: Im Gegensatz zum Stadtzentrum gibt es rundum genug Grün und ruhige Plätze, was vor und nach einer Vernissage zu einer kontemplativen Stimmung beiträgt.
Sie stammen aus Luhačovice, also aus der Region Zlín. Im Ausstellungsprogramm fällt eine Verbindung zu Künstlern aus dieser Gegend auf — ist das Absicht oder einfach das natürliche Ergebnis persönlicher Kontakte?
Jakub: Auf jeden Fall persönliche Kontakte. Aber wir bemühen uns nach und nach, Verbindungen zu Künstlern aufzubauen, die in Brno arbeiten oder zumindest einen Bezug zur Stadt haben. Und wir wollen unser Netzwerk auch über die Region hinaus erweitern. Um die Frage also zu beantworten: Die Region Zlín ist uns wichtig, aber die Galerie richtet sich in erster Linie an Künstler aus Brno.
Jiří: Daran halten wir uns von Anfang an. Schon zur ersten Ausstellung, Soukromé krajiny duše (Private Landschaften der Seele), luden wir Teri Varhol ein, die zwar in Großbritannien arbeitet, aber aus Brno stammt, und auch František Vítek, ebenfalls aus Brno. Brno ist ein natürlicher Knotenpunkt für Künstler aus Zlín und Umgebung — viele von ihnen haben hier zumindest studiert oder wurden hier geboren, sei es Zuzana Pernicová, deren Ausstellung Odpusťte mi, bílá místa paměti! (Verzeiht mir, weiße Flecken der Erinnerung!) wir noch bis Ende Februar zeigen, oder Kryštof Novotný, der bei uns eine kleinere Ausstellung, eine Performance und ein Konzert unter dem Titel What It Feels Like for a Girl hatte.

Brno hat eine ziemlich starke Galerieszene — TIC, Industra, Off/Format, die kürzlich eröffnete Sibiř und weitere. Wie sehen Sie Ihre Position in diesem Ökosystem?
Jakub: Bislang ziemlich unbestimmt. Wir sind noch kein Jahr in Brno, und das meiste — oder vielmehr das allermeiste — lernen wir unterwegs. Es ist schwierig, die richtige Richtung zu finden; wir wollen weder andere kopieren noch einfach nur existieren. Ich denke, die starke Kulturszene in Brno ist Vorteil und Nachteil zugleich: Es gibt eine Nachfrage nach neuen Räumen und Möglichkeiten, aber gleichzeitig ist es schwer, unter so vielen Optionen den eigenen Platz zu finden.
Jiří: Ich glaube, unser Alleinstellungsmerkmal liegt in der Literatur und einer gewissen Freiheit. Wir können es uns leisten zu experimentieren, und wir wollen die ausstellenden Künstler und Performer so stark wie möglich einbeziehen. Wir sind eine Galerie, die noch auf der Suche nach sich selbst ist — und andere dazu einlädt, mitzusuchen.
HEX funktioniert gleichzeitig als Galerie, experimentelles Theater, Café, Hörraum, Verlag und Buchhandlung. Welche Rolle spielt die bildende Kunst in diesem Ganzen — und wie kommunizieren die einzelnen Facetten des HEXagons miteinander?
Jakub: Die bildende Kunst ist das Herzstück. Sie ist die gedachte Mitte des HEXagons, um die sich alles dreht. Wir versuchen, alle ein bis zwei Monate eine Ausstellung zu zeigen — als Gruppen- oder Einzelausstellung — und dazu ein begleitendes Programm zu gestalten. Im April etwa bereiten wir mit Martin Jiroušek und mit Unterstützung des Polnischen Instituts eine Ausstellung polnischer Horrorfilmplakate vor. Sie wird einen Fachvortrag zum Thema, ein Treffen mit polnischen Übersetzern und eine allgemeine Einführung in die polnische Kultur umfassen.
Jiří: Dazu wird es Lesungen aus Übersetzungen von Edward Stachura, Czesław Miłosz und Stefan Grabiński geben — ich möchte dem Publikum zumindest einen kurzen Auszug aus Marek Krajewskis Demonomachia vorstellen. Martin Jiroušek wiederum wird als Kurator der polnischen Ausstellung die Besucher in die Horrorliteratur und den Horrorfilm einführen.
Beide: Was Theater, Filmvorführungen und den Betrieb der kleinen privaten Buchhandlung betrifft, tasten wir uns noch vor. Bei uns hat zum Beispiel der hervorragende tschechische Dokumentarfilmer Professor Gogola Jr. seine Arbeit gezeigt, was dem Publikum unserer Meinung nach sehr gut gefallen hat. Wir arbeiten auch mit dem Verlag Malvern zusammen und versuchen, uns gegenseitig so gut wie möglich zu unterstützen — einige ihrer Veranstaltungen werden dieses Jahr direkt bei uns in der Galerie stattfinden.
Wie wählen Sie Künstler und Ausstellungen aus? Ihr Motto lautet „jede gute Idee verwirklichen und jedem Künstler eine Chance geben" — wie funktioniert das in der Praxis?
Jakub: Wenn jemand zu uns kommt, versuchen wir immer, einen Weg zu finden, seine Idee umzusetzen. Ob Bildender Künstler, Musiker oder Dichter — es ist egal. Platz gibt es für jeden.
Jiří: Allerdings sind wir furchtbar schlecht im Beantworten von E-Mails. Falls also ein begeisterter Leser noch auf eine Antwort wartet — erinnern Sie uns ruhig.

Was war bisher der überraschendste Moment im Betrieb der Galerie — etwas, womit Sie überhaupt nicht gerechnet haben, positiv wie negativ?
Jakub: Jede Ausstellung ist für uns eine Überraschung, weil die Künstler immer mit einer neuen kreativen Methode kommen, die Sache zu verkomplizieren. Das ist kein Vorwurf — ganz und gar nicht; genau dafür sind wir eine Galerie, um den Raum zu bieten und die Vision des Künstlers und des Kurators bestmöglich umzusetzen. Aber bei praktisch jeder Ausstellung stoßen wir auf ein exotisches, manchmal geradezu esoterisches Problem, und keine noch so gründliche Vorbereitung hilft dagegen.
Jiří: Für mich war es die Arbeit mit sozialen Medien und die ständige Notwendigkeit der Selbstvermarktung. Etwas naiv hatte ich mir vorgestellt, mehr Zeit der Recherche und der Arbeit mit den ausstellenden Künstlern zu widmen, dem Entwurf begleitender Programme und anderen Aktivitäten — aber nein, am wichtigsten ist es, von jeder Veranstaltung Fotos und Videos zu haben. Es erinnert mich ein wenig an Walter Benjamins Alptraum: jeden Augenblick festhalten, alle Kunst reproduzieren — aber sich selbst den Genuss entgehen lassen. Andererseits kommen einige fantastische Fotografen zu uns in die Galerie, und ich finde, ihre Dokumentation allein hätte eine eigene Ausstellung verdient, also ist es vielleicht doch nicht so schlimm.
Was ist die finanzielle Strategie von HEX? Wird die Galerie durch andere Tätigkeiten querfinanziert, lebt sie von Fördergeldern, oder trägt sie sich selbst durch Café-Betrieb und Vermietung?
Beide: Schwierige Frage. Bisher wirtschaften wir aus eigenen Mitteln und hatten ein wenig gehofft, von den Veranstaltungen und dem Café leben zu können. Doch langsam dämmert uns, dass wir einen Teil unserer Tätigkeit wohl subventionieren müssen. Wir machen uns allerdings keine Illusionen, dass es in diesen schwierigen Zeiten einfach sein wird, eine Förderung oder einen Zuschuss zu finden. Wie man in der Walachei sagt: Fördergelder wachsen nicht auf Bäumen.
Ich nehme an, dass Sie in Ihrer Situation die staatliche Kulturförderung positiv sehen. Könnten Sie formulieren, unter welchen Bedingungen sie für Sie akzeptabel ist — im Bewusstsein, dass die Staatsverschuldung von Jahr zu Jahr steigt?
Jakub: Bisher haben wir keinerlei öffentliche Mittel in Anspruch genommen, obwohl wir es gern versuchen würden. Weniger für uns selbst, sondern eher, um die Künstler und Performer besser zu entlohnen, was wir uns derzeit nicht wirklich leisten können. Ich finde es absurd, dass bei der Kultur gespart wird — sie repräsentiert dieses Land auch rein politisch gesehen. Der Haushaltsentwurf für dieses Jahr liegt, wenn ich mich nicht irre, 3,9 Milliarden Kronen unter dem des Vorjahres. Da werden Zahlen in den Raum geworfen, die über das Überleben oder Verschwinden von Festivals mit jahrzehntelanger Tradition, von Kunstzeitschriften und Verlagen entscheiden, und ohne eine tiefere Debatte wird einfach beschlossen, dass gekürzt wird. Das wäre nicht so schlimm, wenn wir wüssten, warum — was der Plan für die kommenden Jahre ist — aber so scheint es, als lebten wir in permanenter Ungewissheit, und es ist dann kaum möglich, auch nur ein Mehrjahresprogramm vorzubereiten.
Jiří: In einem Land, dessen Charakter Anfang des 19. Jahrhunderts von Puppenspieler, Schauspielern und später Schriftstellern geprägt wurde, finde ich es gelinde gesagt seltsam, dass wir ein so starkes Erbe nicht nur nicht pflegen, sondern es im Grunde auf Krämerrechnung reduzieren. Ich verstehe, dass die Staatsverschuldung wächst, aber der Tourismus ist nach wie vor — wenn ich mich nicht irre — ein starker Motor unserer Wirtschaft, und ich bin überzeugt, dass die Förderung von Orten, Künstlern und Projekten, die dieses Land einzigartig machen, für jeden Politiker Priorität haben sollte. Vorausgesetzt, sie haben nicht alle aufgegeben.

Was bedeutet Online-Sichtbarkeit für die Galerie, und wie gehen Sie damit um?
Jakub: Ein notwendiges Übel.
Jiří: Eine Notwendigkeit. Keiner von uns hat ein natürliches Talent dafür, aber leider kommt man in diesem Bereich nicht ohne aus. Gleichzeitig sind die sozialen Medien — und in den letzten Jahren praktisch das gesamte Internet — ein deprimierender Sumpf. Aber wir leben in diesem Sumpf, also was soll's.
Unser Magazin wird unter anderem von Studierenden und frischen Absolventen von Kunsthochschulen gelesen. Was würden Sie ihnen als Betreiber eines unabhängigen Raums mit auf den Weg geben?
Jakub: Die schlimmste Frage zum Schluss. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Wohl einfach: Durchhalten. Es ist eine sozial und leider auch materiell äußerst anspruchsvolle und undankbare Tätigkeit, und darauf muss man sich einstellen.
Jiří: Dem kann ich nur beipflichten. Leider.
Jakub: Aber Kontakte in der Branche werden Ihnen auf jeden Fall helfen. Und scheuen Sie sich nicht, Galerien wegen eigener Ausstellungen anzusprechen — die Hürde ist nicht so hoch, wie es scheinen mag.
Vielen Dank für das Gespräch!